Seiten

Nachrichten

Loading...

Samstag, 28. Januar 2012

Die Bufdis: Der Bundesfreiwilligendienst

"Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl zu engagieren – im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz.
Freiwilliges Engagement lohnt sich: Als Freiwillige oder Freiwilliger sammeln Sie wertvolle Lebenserfahrung. Als Einsatzstelle profitieren Sie von engagierter Unterstützung, die Ihrer Arbeit zusätzliche Inspiration verleiht.
Ziele des Bundesfreiwilligendienstes
Der Bundesfreiwilligendienst ist ein engagementpolitisches Projekt: Er soll eine neue Kultur der Freiwilligkeit in Deutschland schaffen und möglichst vielen Menschen ein Engagement für die Allgemeinheit möglich machen.
Die Aussetzung des Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes zum 1. Juli 2011 war eine große gesellschaftliche Herausforderung. Der Bundesfreiwilligendienst sollte helfen, die Folgen der Aussetzung des Zivildienstes zumindest teilweise zu kompensieren. Alle nach dem Zivildienstgesetz anerkannten Dienststellen und -plätze wurden daher automatisch als Einsatzstellen und Plätze des Bundesfreiwilligendienstes anerkannt.
Voraussetzungen für die Freiwilligen
Im Bundesfreiwilligendienst kann sich jeder engagieren, der die Vollzeitschulpflicht erfüllt hat: Menschen jeden Alters nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht (je nach Bundesland mit 16, manchmal auch schon mit 15 Jahren), Männer und Frauen. Jüngere Freiwillige erwerben und vertiefen ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen, ältere Freiwillige bringen ihre eigene Lebens- und Berufserfahrung ein. Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht.
Dauer und Einsatzstellen des Bundesfreiwilligendienstes
In der Regel dauert der Bundesfreiwilligendienst zwölf Monate, mindestens jedoch sechs und höchstens 18 Monate. In Ausnahmefällen kann er bis zu 24 Monate geleistet werden.
Beim Bundesfreiwilligendienst handelt es sich grundsätzlich um einen ganztägigen Dienst. Für Freiwillige über 27 Jahren ist aber auch ein Teilzeitdienst von mehr als 20 Stunden wöchentlich möglich. Weitere Infos zu den genauen gesetzlichen Rahmenbedingungen finden Sie in der Rubrik BFD von A bis Z unter dem jeweiligen Stichwort.
Einsatzstellen werden von gemeinwohlorientierten Einrichtungen angeboten. Dazu zählen Mitgliedseinrichtungen der Wohlfahrtsverbände (Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland), aber auch nicht-verbandsgebundene Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kinderheime, Kindertagesstätten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Erholungsheime, Mehrgenerationenhäuser, Selbsthilfegruppen, Sportvereine, Museen, Kultureinrichtungen, Einrichtungen des Zivil- und Katastrophenschutzes, Träger ökologischer Projekte und Kommunen.
Aktuelle Angebote im Bundesfreiwilligendienst finden Sie in unserer Platzbörse." (Quelle)






"Mit einem solchen Ansturm hatte niemand gerechnet: Voraussichtlich wird nur jeder zweite Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) in diesem Jahr einen Platz bekommen. Auf die 35.000 vom Bund finanzierten Freiwilligenplätze kommen 60.000 Bewerber, wie ein Sprecher des Familienministeriums mitteilte." (Stern.de vom 26.01.2012) Hier können Sie weiterlesen:


Samstag, 21. Januar 2012

Soziale Berufe


"Der Diakonie Bundesverband wirbt mit einem neuen Onlineangebot für soziale und pflegerische Berufe. Die Seite www.soziale-berufe.com informiert junge Menschen über Ausbildungen, Studiengänge und Berufswege, teilte die Diakonie in Berlin mit. Damit werde auf Prognosen zum drohenden Fachkräftemangel reagiert.

Zu jedem Beruf gibt es auf der neuen Seite den Angaben zufolge eine Video- sowie eine Textreportage, in denen Auszubildende und Studierende über ihre Motivation und ihren Ausbildungsalltag erzählen. In einem Berufsfindungs-Selbsttest können Interessierte prüfen, ob der jeweilige Beruf zu ihren Wünschen und Fähigkeiten passt. Daneben gibt es eine Online-Suche zu Ausbildungsstätten, eine Stellenbörse und Bewerbungstipps." Quelle

Hilfreich sind auch die Tests (man darf das natürlich nur als ersten Hinweis für Eignung werten) für folgende Berufe:


"Altenpfleger/in

Diätassistent/in

Ergotherapeut/in

Erzieher/in

Familienpfleger/in

Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in

Gesundheits- und Krankenpfleger/in

Hauswirtschafter/in

Hebamme/Entbindungspfleger

Heilerziehungspfleger/in

Logopäde/-in

Neue Pflegeausbildungen

Physiotherapeut/in

Sozialassistent/in

Bachelor Diakoniestudiengänge

Bachelor Erziehungsstudiengänge

Bachelor Pflegestudiengänge

Bachelor Religionspädagogik

Bachelor Soziale Arbeit

Diakon/in

Dorfhelfer/in


Welche Berufe werden gebraucht?

Eigentlich gilt für alle sozialen und pflegerischen Berufe, die wir hier vorstellen: Nachwuchs dringend gesucht! Denn wo ein Mensch alt und schwach wird, braucht er nicht nur einen Altenpfleger, sondern auch einen Physiotherapeuten. Jede neue Altenpflegeeinrichtung braucht Hauswirtschafter. Auch Menschen mit Behinderung werden alt und brauchenHeilerziehungspfleger, die sich mit Altenpflege auskennen. Und so weiter.

Es gibt aber auch andere Berufe, in denen es besonders eng ist: Erzieher werden in Deutschland dringend gebraucht - und zwar laut Studien rund 78.500 bis zum Jahr 2019! Die Politiker haben nämlich beschlossen, dass auch für alle ganz kleinen Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsplatz eingerichtet werden muss. Wenn dann noch die Öffnungszeiten der Kitas verlängert und immer mehr Ganztagsschulen mit Nachmittagsbetreuung eingerichtet werden, werden die Erzieher knapp."

Ein Beispiel für ein Berufsvideo kann leider nicht eingebettet werden. Gehen Sie bei Interesse auf die Seite des Projekts.

Logopädin / Logopäde

Hier zunächst ein Video zur Logopädieausbildung an der Logopädieschule in Bielefeld.
Träger ist die Deutsche Angestellten-Akademie


Welche Aufgaben haben Logopädinnen?

"Logopäden und Logopädinnen beraten, untersuchen und behandeln auf Basis einer ärztlichen Verordnung Patienten mit Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen.

Hauptsächlich arbeiten Logopäden und Logopädinnen in Krankenhäusern, Kliniken, Rehabilitationszentren und Logopädie-Praxen. Darüber hinaus sind sie auch in Kindergärten und Grundschulen beschäftigt sowie in Kinderheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder Gesundheitsämtern.

Logopäde/Logopädin ist eine bundesweit einheitlich geregelte schulische Ausbildung an Berufsfachschulen für Logopädie.Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Daneben besteht die Möglichkeit, Logopädie an Fachhochschulen zu studieren, teilweise auch in kombinierter Form mit der Berufsfachschulausbildung." Quelle

Informationen zur schulischen Ausbildung erhalten Sie hier:



Wie ist es um die späteren Berufschancen bestellt? Hierzu lese man die zusammenfassende Beurteilung von Manfred Grohnfeldt:



"Eine Weichenstellung mit nachhaltigen Folgen war 1980 die Verabschiedung des  Logopädengesetzes. Dadurch wurde die Berufsbezeichnung geschützt und eine einheitliche dreijährige Ausbildung durch die „Logopä-den-Ausbildungs- und Prüfungsordnung“ (LogAPro) staatlich geregelt.

Die Logopädinnen kamen dadurch in den Vorteil einer Krankenkassenzulassung. Andererseits wurde der Status als nicht akademischer Beruf mit einem dementsprechend geringeren Einkommen festgeschrieben – eine Entscheidung, deren Auswirkung bis heute nachhaltige Folgen zeigt.

Lange Zeit führte das Logopädengesetz zu einem statussicheren Beruf ohne Arbeitslosigkeit. Heute hat sich die Situation entscheidend geändert. Durch einen exorbitanten Ausbau der Logopädenschulen seit Ende der 1990er Jahre auf aktuell 90 Einrichtungen – von denen über 50 auf privater Basis mit Gebühren bis zu 10.000 Euro jährlich arbeiten – wird eine Absolventinnenzahl von 1.700 bis 1.800 pro Jahr erreicht. Dies führt teilweise zu einem Überangebot, das bereits zu einem regionalen Verdrängungswettbewerb geführt hat.

Im Hinblick auf die lange überfällige Akademisierung des Berufes ist die aktuelle Situation im Jahr 2010 dadurch gekennzeichnet, dass am 26. Mai 2009 eine „Modell- beziehungsweise Öffnungsklausel“ im Deutschen Bundestag beschlossen wurde, um zeitlich befristete Ausbildungskonzepte auf Hochschulniveau im Bereich der Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie und Hebammenkunde zunächst bis zum Jahr 2017 zu erproben. Im Jahr 2015 soll eine Entscheidung über die Fortsetzung fallen (Rausch 2009a, 2009b; Grohnfeldt 2009, 2010b). Das Studium erfolgt dabei an Fachhochschulen, wobei nach sieben Semestern sowohl die LogAPro zu erfüllen ist – der lange Atem des Logopädengesetzes! – als auch eine Bachelorprüfung absolviert wird."Quelle

Hier können Sie sich im aktuellen Arbeitsstellenangebot der Jobbörse informieren. Und schließlich gibt der Bundesverband Logopädie reichhaltige Informationsmöglichkeiten:

Freitag, 6. Januar 2012

Fachhochschulwochen

Zum Jahresbeginn gleich eine Empfehlung an alle, die ein Studium aufnehmen möchten:


Um viele talentierte Menschen in der Region für ein Hochschulstudium zu begeistern und den hohen Beratungsbedarf der Studieninteressierten zu decken, führen 
die Bielefelder Arbeitsagentur und die Fachhochschule Bielefeld vom
16. Januar bis 09. Februar 2012 
gemeinsam 
"Fachhochschulwochen
durch.
Vier Wochen lang dreht sich im Berufs-Informations-Zentrum (BiZ) der Arbeitsagentur an der Werner-Bock-Straße 8 alles um das Thema: "Studieren". 
19 Veranstaltungen vermitteln gezielt einen umfassenden Einblick in die Welt des Studiums, teilweise besteht auch die Möglichkeit, die Labore und Werkstätten der Fachhochschule zu besuchen.
Die Fachhochschulwochen richten sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen 11 bis 13 und ihre Eltern aus der gesamten Region. Selbstverständlich stehen die Veranstaltungen auch allen anderen Studieninteressierten offen.
Die Teilnahme an den einzelnen Veranstaltungen ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Hier können Sie die Veranstaltungsübersicht herunterladen.
Quelle

Haben Sie Zweifel, ob Ihre Mathematikkenntnisse für ein Studium ausreichen? Dann ist dieses Video vielleicht hilfreich:




Samstag, 31. Dezember 2011

Gottfredson's Entwicklungstheorie beruflichen Verhaltens 7: Kompromiss und Zusammenfassung


Der Prozess der Berufsfindung als solcher des Eingehens von Kompromissen

Die Zone der annehmbaren Alternativen wird nun abgeglichen mit der externen Realität, so insbesondere dem Angebot des Arbeits- oder Ausbildungsmarktes. Zwei Formen des Kompromisses können unterschieden werden, der antizipatorische Kompromiss, in dem die Hoffnungen mit der wahrgenommenen Realität so ins Verhältnis gesetzt werden, dass die Erwartungen  an die berufliche Zukunft gedämpft werden. Die Einstellung wird realistischer. Problematisch kann der antizipatorische Kompromiss sein, wenn die Wahrnehmung der Realität und der eigenen Möglichkeiten verzerrt ist.
Zweitens der Erfahrungskompromiss, der eintritt, wenn beim Versuch der Realisierung der bevorzugten Berufe Hindernisse auftreten.
Die externen Zwänge des Arbeitsmarktes beschränken nahezu jeden in gewissem Ausmaße. Nur wenige haben unbeschränkte Wahlmöglichkeiten.


Zusammenfassung

Wesentlich ist, dass eine nicht notwendige Einschränkung der beruflichen Möglichkeiten eines jungen Menschen vermieden wird. „The problem in compromise is the failure to come to grips with reality, either by ignoring it or failing to deal with it effectively“ (Gottfredson in Brown 2002, S. 217)

Der schulischen Berufsorientierung erwächst hieraus die Aufgabe, Gelegenheit zu schaffen, in denen die Schülerinnen und Schüler die nötige Selbsterkenntnis erwerben können, und zwar nicht vordringlich in künstlichen Testsituationen, sondern im reichhaltigen Kontakt mit der Realität der Arbeits- und Berufswelt.

Im Sammelband von Steven D. Brown und Robert W. Lent: Career Development and Counseling, Hoboken NJ: Wiley 2005 benennt Linda Gottfredson selbst praktische Herausforderungen ihrer Theorie:

„How can we help adolescents reexamine the merits of childhood choices they now take for granted, but without seeming to denigrate them?
How can we encourage realism in vocational options without quashing hope and opportunity?
And how can we provide clients the complex information they need for identifying and implementing good choices without overwhelming them? (S. 85)

Sie empfiehlt nachhaltige persönliche Reflexion in (Beratungs-) Gesprächen und schriftlichen Übungen; den Aufbau eines Unterstützungs-Netzwerkes; individualisiertes feedback und „real-life models of effective career-related behavior“ (a.a.O., S. 86. Vgl. auch die weiteren Ausführungen, S. 86 bis 98 „Applying the theory: Objectives, strategies, and tools.)

Abschließend soll noch Vernon G. Zunker zu Wort kommen, der in seiner Zusammenfassung der Entwicklungstheorien eine zentrale Forderung der Theorie Gottfredson’s unterstreicht, die mir auch am Herzen liegt:

„Gottfredson’s research underscores the well-known position that career education should begin with the very young. Counselors need to make every effort to empower children to learn more about the work worlds and promote the proposition that each child should feel free to choose any career. Counselors need to be aware of how parental status influences children and social restraints of circumscription  limit their career development.” (Career Counseling. A Holistic Approach, Florence KY: Brooks/Cole 2012, S. 57)

Gottfredson's Entwicklungstheorie beruflichen Verhaltens 6: Der Prozess der Berufsfindung als solcher der Aussonderung


Nachdem die Grundbegriffe skizziert sind, kann nun der Prozess der Berufsfindung als Entwicklung des Selbstkonzepts dargestellt werden. Berufsfindung wird als ein Passungsprozess („matching process“) zwischen Werten, Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Person und dem Arbeitsmarkt mit seinem Angebot von Berufen gesehen. Der junge Mensch muss also nicht nur die Welt der Berufe mit ihren Anforderungsstrukturen kennen lernen, sondern auch sich und es verstehen, beides in Übereinstimmung zu bringen. Dies ist eine intellektuell stark fordernde Aufgabe, zumal der heranwachsende junge Mensch sich in einer rasanten Entwicklung befindet.

Linda Gottfredson unterscheidet vier Stufen, in denen sich diese Entwicklung als solche der Eingrenzung („circumscription“) und des Kompromisses („compromise“) darstellt. Im Mittelpunkt steht also die Aussonderung von Berufen und Berufsgruppen, und nicht etwa die Verstärkung von attraktiven Berufen. Am Ende steht eine umgrenzte Zone auf der Landkarte der möglichen Berufe, welches die von der Person akzeptierten Berufe abbildet. Am Beginn steht die Eingrenzung der für das Kind annehmbaren Berufsalternativen. Mit zunehmenden Alter vermag das Kind aufgrund abstrakterer Kriterien über Eignung („suitability“) und Vereinbarkeit („compatibility“) Berufe auszusondern. Dieser Prozess verläuft meistens unwissentlich und ohne dass das Kind sich viel damit beschäftigte, was denn die Leute eigentlich genau tun in den Berufen, deren Möglichkeit es für sich von vornherein ausschließt. Alle Kinder bewegen sich über vier Stufen der Eingrenzung, unterschiedlich schnell in Abhängigkeit insbesondere von ihren geistigen Fähigkeiten. Die Zeitangaben der entsprechenden Phasen können daher nur als Annäherungswerte gelten.

Die vier Stufen der Eingrenzung ("circumscription")

Stufe 1: Orientierung an Größe und Macht (Lebensalter 3 bis 5)

Kinder klassifizieren Menschen zunächst nach den Attributen der Größe und der Macht. Sie möchten nicht mehr Tiere, Phantasiefiguren oder unbelebte Gegenstände sein. Sie wissen, dass sie irgendwann auch groß sein werden und das es so etwas wie Berufe gibt.

Stufe 2: Orientierung am Geschlechtscharakter von Rollen (Lebensalter 6 bis 8)


Kinder in diesem Alter denken in konkreten Begriffen und nehmen einfache Unterscheidungen vor. Die ihnen wichtigen Berufe sind diejenigen, denen sie oft begegnen bzw. die besonders ins Auge fallen oder die etwas mit Dingen zu tun haben, die sie mögen: Lehrerinnen, Polizisten, Piloten, Fahrer eines großen LKW. Sie denken im Entweder-oder-Modus und nehmen Berufe als weiblich oder männlich wahr. Ihr eigenes Geschlecht wird als höherwertig empfunden. Die Geschlechtsrolle, die mit Berufen verbunden wird, steht im Vordergrund. Berufe des anderen Geschlechts werden eher ausgeschlossen.

Stufe 3: Orientierung an sozialer Wertschätzung (Lebensalter 9 bis 13)


Nun drängt sich eine zweite Unterscheidung in den Vordergrund: die der sozialen Wertschätzung oder des Prestiges von Berufen. Es geht nicht mehr nur um männlich vs. weiblich, sondern um höher vs. niedriger. Mit neun Jahren beginnen Kinder Berufe mit niedrigerem Prestige auszusondern. Sie bemerken nun die Symbolkraft von Kleidung, Umgangsformen und Besitz für soziale Klassen. Mit 13 Jahren sind Kinder in der Lage, Berufe wie Erwachsene nach ihrem Prestige einzuordnen und die Zusammenhänge zwischen Einkommen, (Aus-)Bildung und Beruf zu verstehen. „It has become clear to them that there is an occupational hierarchy that affects how people live their lives and are regarded by others.” (Gottfredson in Brown 2002, S. 96) Sie haben ebenfalls gelernt, welche Berufe ihre eigenen Familien als nichtakzeptabel niedrig einschätzen und diese ausgesondert. „In short, they have begun to sense a ceiling and a floor for their attainments.” (a.a.O.) Kinder übernehmen diese Wertungen ihrer Familien (und der peers, möchte ich hinzufügen) in ihr Selbstkonzept und sondern entsprechend nichtpassende Berufsgruppen aus.

Andererseits sondern sie diejenigen Berufsgruppen aus, zu deren Erlangung sie sich aufgrund ihrer Begabung nicht in der Lage sehen oder bei denen der Aufwand zu hoch ist. Hier spielt nicht die Familie, sondern die Schule die entscheidende Rolle: „Schools have perhaps the biggest impact today on children’s perceptions of occupational difficulty, because they starkly illuminate students’ differences in intelligence and thuds their prospects for rising socially via higher education. Such perceptions lead children to set a tolerable-effort boundary, above which they are not apt to look again unless their self-concepts of ability and competitiveness change.” (a.a.O., S. 98)

Sorgt die Familie dafür, dass Kinder das „Fundament“ des „Hauses“ ihrer möglichen Berufe legen, so die Schule für das „Dach“ oder die „Decke“. Berufe unterhalb und oberhalb der Begrenzungen werden ausgesondert. Nimmt man noch den Geschlechtscharakter der Berufe als die weitere Grundunterscheidung hinzu, so bilden sich die „Wände“ des „Hauses“ akzeptabler Berufe. Dies könnte – ich bitte um Nachsicht wegen der improvisierten Zeichnung - etwa so visualisiert werden:

Das „Haus“ (rotes Rechteck) akzeptabler Berufe
für einen Jungen aus der Mittelschicht und durchschnittlicher Begabung
(= Zone der akzeptablen Alternativen)



Es gibt in unserem Beispiel acht Möglichkeiten, die Größe des Hauses, in dem die Berufsorientierung stattfindet, zu verändern:

  • Entweder der Junge schränkt den männlichen Charakter ein (Bewegung nach rechts) oder weitet ihn aus (das ist für ihn nicht möglich, da er schon sehr männliche Berufe berücksichtigt)
  • oder er erweitert das Haus hin zu weiblicheren Berufstypen (Versetzung der Wand nach rechts) oder schränkt diese Ausrichtung noch weiter ein oder
  • man erhöht oder erniedrigt die Decke oder
  • erhöht oder erniedrigt das Fundament.

Allgemein kann gesagt werden, dass ein hoher sozialer Background und eine hohe Begabung das Haus nach oben verlagern und umgekehrt. Ein Kind mit einer niedrigen Begabung und höherem Background wird weniger Alternativen für sich sehen als ein Kind mit hoher Begabung und niedrigerem sozialen Hintergrund. Decke und Fundament werde bei jenem viel näher zusammen sein als bei diesem.

Stufe 4: Orientierung am eigenen, einzigartigen Selbst (14 Jahre und älter)

Adoleszente nehmen nun ihren angestrebten Platz in der Gesellschaft mehr oder weiniger als selbstverständlich hin. Da sie mit ihrer Wirkung auf das andere Geschlecht beschäftigt sind, kann dies die Orientierung an Geschlechtsstereotypien verstärken. Zentrale Frage aber ist nun: „Wer bin ich als Individuum?“ und nicht als Geschlecht oder als Angehöriger einer sozialen Schicht. Nicht selten suchen sich Jugendliche gerade durch Absetzung von ihrem Herkunftsmilieu und dessen Wertvorstellungen zu individuieren.
Sie beginnen sich intensiv auszutesten und Erfahrungen zu suchen, die ihnen ihre drängende Frage beantworten:

„Individuals often require experience in new activities and unfamiliar settings in order to diagnose and develop their specific strengths and weaknesses, likes and dislikes, and stance toward life. Few of us know the limits of our abilities or courage, for instance, until they are actually tested. And many an education or business major has solidified – or changed- career plans after taking a course that gives them actual field experience.” (Gottfredson in Brown 2002, S. 99f.)

Im Unterschied zu den ersten drei Stufen, in denen Berufe ausgesondert wurden, schreitet der Jugendliche nun von der Abwahl zur Wahl. Er konzentriert sich nun positiv auf das, was innerhalb des gebauten Hauses infrage kommt.

Hiermit beginnt der Übergang von der Phase der Einschränkung zu der des Kompromisses.


Gottfredson's Entwicklungstheorie beruflichen Verhaltens 5: Berufsstereotypien und Berufslandkarte


Dem (subjektiven) Selbstkonzept oder Selbstbild, Bild, das die Person von sich konstruiert, korrespondieren die Berufsstereotypien oder die Berufsbilder. Schon Kinder haben eine Vorstellung davon, etwa was ein Polizist tut. Darüber hinaus gibt es Vorstellungen über die Art der mit Berufen verknüpften Lebensführung, die Vorteile und Umstände ihrer Berufstätigkeit. Die Mitglieder einer Gesellschaft stimmen ebenso hinsichtlich des Prestiges, des Geschlechtscharakters und der Feldzugehörigkeit (realistisch, forschend, sozial, unternehmerisch, verwaltend, künstlerisch, vgl. Holland’s Theorie) der Berufe überein.
Mit Blick auf Berufe sind wesentlich ihr Geschlechtscharakter und ihr gesellschaftliches Ansehen.
Der Geschlechtscharakter verknüpft mit dem Prestige-Level der Berufe ergibt nun eine kognitive Landkarte der Berufe, in den die Grundtypen (die sechs Berufsfelder nach Holland) und einzelne Berufe eingeordnet werden können. (Vgl. Abbildung). Allgemein lässt sich sagen, dass der Prestige-Level den Intelligenzgrad widerspiegelt, der für die Ausübung eines Berufes erforderlich ist, „the intellectual complexity of their duties“ (Gottfredson in Brown 2002, S. 88). Berufe, die einem Feld zugeordnet werden, streuen nicht regellos über die Karte. Sie clustern in verschiedenen Bereichen der Berufskarte.


Link führt zu lesbarer Karte!