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Donnerstag, 19. August 2010

"Studien- und Berufswahl 2010" erschienen


1970 erblickte "Studien- und Berufswahl" das Licht der Welt. Seit nunmehr 40 Jahren ist das Handbuch ein zuverlässiger Begleiter für die Studien- und Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler.

Nun ist die aktualisierte Ausgabe 2010/2011 erschienen. Pünktlich zu Beginn des neuen Schuljahres erfolgt die Auslieferung an die entsprechenden Schulen in ganz Deutschland. Schülerinnen und Schüler der vorletzten Jahrgangsstufe an Schulen, die zur allgemeinen Hochschulreife führen, sowie der Abschlussklassen der Schulen, welche die Fachhochschulreife vermitteln, erhalten das Buch kostenfrei durch ihre Schule. Wer nicht zum Kreis der Berechtigten für ein kostenloses Exemplar gehört, kann das Buch (ISBN 978-3-8214-7316-1) ab Ende August für 8,80 Euro im Buchhandel erwerben oder im Internet bestellen.

Viel Spaß beim Lesen dieses Newsletters wünschen die Herausgeber und die Redaktion von "Studien- und Berufswahl".

(Zur Quelle des Beitrages gelangen Sie durch Anklicken der Abbildung.)

Montag, 16. August 2010

Arbeits- und Berufsfeld Bauernhof



"Planet Schule", eine Seite des Schulfernsehens der Sender SWR und WDR, präsentiert eine nette Möglichkeit, Leben und Arbeit auf dem Bauernhof kennenzulernen.

Das Multimediaelement "Ein Jahr auf dem Bauernhof" vermittelt den Kindern einen Einblick in das Tätigkeitsspektrum eines Landwirts: z.B. Milchwirtschaft, Getreide-, Obst- und Gemüseanbau - und das alles in Abhängigkeit von den Jahreszeiten.

Allerdings ist ein richtiger Bauernhof für Kinder deutlich intensiver:

Theorien der Berufswahl SKL - Literaturangaben

Bandura, Albert (1986): Social foundations of thought and action: A social cognitive theory, Englewood Cliffs

Brookfield, Stephen D. (1995): Becoming a Critically Reflective Teacher, San Francisco

Brown, Duane (Hrsg.) (2002): Career Choice and Development. 4. Auflage, San Francisco

Brown, Steven D.; Robert W. Lent (Hrsg.) (2005): Career development and Counseling. Putting Theory and Research to Work, Hoboken, New Jersey

Csikszentmihalyi, Mihaly (1990): Flow. The Psychology of Optimal Experience, New York

Dawis, Rene V. (2002): Person-Environment-Correspondence-Theory, in: Brown, S. 427-464

Hackett, Gail (1995): Self-efficacy in career choice and development, in: Albert Bandura (Hrsg.): Self-efficacy in changing societies, Cambridge England, S. 232-258

Hobmair, Hermann (Hrsg.) (2008): Pädagogik. 4. Auflage, Troisdorf

Jörin, Simone u.a. (2008): EXPLORIX. Das Werkzeug zur Berufswahl und Laufbahnplanung. Deutschsprachige Adaptation und Weiterentwicklung des Self-Directed-Search (SDS) nach John L. Holland, Bern (Enthält das Berufsregister. Ausgabe Deutschland)

Lent, Robert W.; Steven D. Brown und Gail Hackett (2002): Social Cognitive Career Theory, in: Duane Brown (Hrsg.): Career Choice and Development. 4. Auflage, San Francisco, S. 255-311

Lent, Robert W. (2005): A Social Cognitive View of Career Development and Counseling, in: Brown und Lent 2005, S. 101-127

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Frankfurt am Main

Ratschinski, Günter (2009): Selbstkonzept und Berufswahl. Eine Überprüfung der Berufswahltheorie an Sekundarschülern. Münster

Schäfer, Gerd E. (Hrsg.) (2007): Bildung beginnt mit dr Geburt. Ein offener Bildungsplan für Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen. 2. Auflage, Berlin

Sonntag, 15. August 2010

Theorien der Berufswahl SKL 1.7: Zusammenfassung




Eine Kernaufgabe der beruflichen Förderung ist die Milderung hindernder physischer, kultureller, materieller und sozialer Kontexteinflüsse bzw. die Reflexion der wahrgenommenen wie tatsächlichen Struktur der beruflichen Chancen („Structur of opportunity“ Astin, vgl. Lent in Brown 2002, S. 274).

Die wahrgenommene Struktur des Opportunen moderiert die Beziehungen zwischen Interessen und Zielen einerseits und Zielen und diese verwirklichenden Handlungen andererseits. Die wahrgenommenen beruflichen Chancen beeinflussen die Bereitschaft, berufliche Interessen in Ziele und diese in verwirklichende Handlungen zu transformieren. Aufgabe der Berufsorientierung ist es daher, mögliche Interessen zu erweitern und die Entscheidungsprozesse zu erleichtern. Es geht mithin auch darum, eine vorschnelle selbstbeschränkende Einstellung zu hinterfragen, auch wenn dies den Prozess der BO kompliziert und den erforderlichen Ressourceneinsatz erhöht.

Abschließend sollen noch einmal die Autoren in einem längeren Zitat zu Wort kommen:

„As implied by SCCT’s interest and choice models, self-efficacy beliefs and outcome expectations are central to the cultivation of academic-career interests and the range of occupational options that people view as viable for themselves. Thus we believe that many individuals prematurely foreclose on potentially rewarding career pursuits either because their environments offer a restricted range of efficacy-building experiences or because they develop inaccurate self-efficacy beliefs or occupational outcome expectations. Methods for fostering reliable self-efficacy and outcome expectations and for maximizing development of abilities may be most useful during the school years, when students’ self-percepts and occupational beliefs are likely to be relatively malleable.
SCCT suggests that psychoeducational interventions designed to promote optimum career development (or to prevent future choice or adjustment problems) need to focus not only on students’ emergent interests, values, and talents but on the cognitive bases of these characteristics. It is particular important, from a social cognitive perspective, to ensure that children’s and adolescents’ self-efficacy beliefs are relatively consonant with their developing abilities and that their career-related outcome expectations are based on accurate information.” (Lent in Brown 2002, S. 287)

Theorien der Berufswahl SKL 1.6: Entscheidungsmodell

VI. Das Entscheidungsmodell

Im Entscheidungsmodell der SKL kann man den Übergang zum zweiten Schritt im Modell der Berufsorientierung „Informieren – Entscheiden – Bewerben“ angedeutet sehen. (Vgl. den Berufswahlfahrplan).

Der Entscheidungsprozess erfolgt in drei Schritten:

- Festlegung der ersten Wahl oder eines ersten Ziels
- Handlungen wie zum Beispiel ein Praktikum oder eine Ferientätigkeit, die dazu geeignet sind, die erste Wahl zu implementieren
- Betrachtung von Erfolgen und Scheiternserfahrungen, um daraus ein Feedback zu erhalten

Bewusst wird eine Grenze zwischen Ziel und Handlung gezogen, um die vermittelnde Rolle des Handelnden und der Kontexteinflüsse hervorzuheben.

Theorien der Berufswahl SKL 1.5: Begabung vs. Fertigkeit

V. Begabung/Fähigkeit vs. Fertigkeit

Die Herausforderungen vermindern sich jedoch, wenn man bedenkt, dass in der Wendung „Begabungen oder Fähigkeiten“ sich ein praktisch gangbarer Weg andeutet. Ohne hier die Theorie wechseln zu wollen füge ich Ergebnisse der Person-Environment-Correspondence-Theory (PEC Theorie) ein. (Vgl. Dawis in Brown 2002, S. 442ff.)

Die PEC Theorie lehnt es ab, mit „skills“ oder dem Fertigkeitskonzept zu arbeiten. Sie setzt also nicht bei dem an, was jemand „kann“, untersucht verwirklichte Begabungen, sondern geht darauf aus nach „Begabungen“ zu fahnden oder Begabungen in den Vordergrund zu bringen, also darauf aus, was jemand „können könnte, wenn sie in die Lage versetzt würde, sich zu erproben“. Übrigens taucht hier wiederum das obige Phänomen auf, dass gerade Schule, Ganztagsschule, Gelegenheit zur Erprobung geben kann, um spielerische und kreative Gelegenheiten zu bieten, welche die Brücke zwischen Begabung/Fähigkeit und Fertigkeit schlägt. Die Differenz ist mithin eine eminent (allgemein-) pädagogische.)

Die PEC-Theorie begreift Fähigkeiten als unentwickelte Fertigkeiten. Über Verfahren, die Fähigkeiten testen, werden wertvolle Informationen über vielleicht noch schlummernde Potentiale gegeben, die den individuellen Berufswahlprozess befruchten können. Man geht heute von vier Fähigkeitstypen aus:

a) Fähigkeiten der Wahrnehmung (Wahrnehmungsschärfe, Geschwindigkeit,
b) Detailwahrnehmung, Formwahrnehmung, Tiefenwahrnehmung oder auch Bewegungswahrnehmung)
c) Kognitive Fähigkeiten (Schnelligkeit und Gewandtheit des Begreifens, Gedächtnisleistung, Schluss- und Urteilsfähigkeit in sprachlicher, numerischer und räumlicher Hinsicht)
d) Motorische bzw. psychomotorische Fähigkeiten (Schnelligkeit, Gewandtheit, Geschicklichkeit und Koordinationsfähigkeit des Muskeleinsatzes)
Affektive Fähigkeiten (emotionale Kontrolle, Empathie, emotionales Mimikry wie etwa im Rollenspiel)

Der Ansatz bei Fähigkeiten hat den großen Vorteil, dass ein Schüler nicht Gefangener seiner Fertigkeiten sein muss, sondern über die Beschäftigung mit seinen Fähigkeiten, Möglichkeiten an die Hand erhält, die es ihm erlauben, seine Potenziale zu erforschen und zu entwickeln.

Wir werden im Herbst Gelegenheit haben, im Rahmen eines Kompetenzfeststellungsverfahrens an unserer Realschule, diesen Weg zu erproben. Ich werde die Ergebnisse hoffentlich in den Herbstferien fertig stellen und hier mitteilen können.

Theorien der Berufswahl SKL 1.4: Interessen

IV. Die Entwicklung von berufsbezogenen Interessen

Fragen wir nun direkt nach dem Nutzen der SKL für die berufliche Orientierung. Die SKL setzt bei den beruflichen Interessen an.

Menschen bilden dann ein beständiges Interesse an einer Tätigkeit, wenn sie sich selbst als kompetent in ihr betrachten und wenn sie der Meinung sind, dass sie die Ergebnisse einer solchen Tätigkeit wertschätzen.

Eine Rolle spielen mithin Begabung und Fähigkeiten („Kompetenzseite“) und das, was „work values“ genannt wird („Werteseite“). Die „work values“ bringen die beruflichen Arbeitsergebnisse zum Ausdruck, die einem Menschen besonders wichtig sind: zum Beispiel viel Geld zu verdienen oder ein hohes Prestige, hohe soziale Wertschätzung zu erfahren, oder einen hohen Grad von Selbstständigkeit, Autonomie im Beruf realisieren zu können.

Oft wird gerade in praxisorientierten Zusammenhängen – so meine Wahrnehmung - unterstellt, dass es ein unmittelbares Wirkungsverhältnis zwischen Begabung bzw. Fähigkeiten einerseits und berufsbezogenen Interessen andererseits gebe. Ein (äußerer) Grund für die Annahme dieses Zusammenhanges ist denn wohl auch der, dass sich auf diese Weise die Anwendung von Verfahren legitimieren lässt, die sich in der Praxis bequem umsetzen lassen.

Es ist nur ein Zweischritt erforderlich: 1. der Test von Begabung und Fähigkeiten, etwa über das RIASEC-Verfahren (bzw. für den deutschen Sprachraum: EXPLORIX-Verfahren) und 2. die Zuordnung von entsprechenden Berufen über das Dictionary of Holland Occupational Codes (bzw. das Berufsregisters im EXPLORIX-Verfahren).

Die SKL unterstreicht den Grundansatz hält jedoch die Beachtung moderierender, filternder Variablen für erforderlich:

„Some career theories view interests as an outgrowth of either personal aptitudes and abilities or work values. SCCT [SKL, JHW] acknowledges that abilities and values are important parts of the process that gives rise to vocational interests; however in our scheme, their effects on interests are primarily funnelled through self-efficacy and outcome expectations. For instance, we posit that, rather than influence interests directly, abilities inform self-efficacy beliefs, which, in turn, influence outcome expectations and interests. Work values are incorporated within the concept of outcome expectations.” (Lent in Brown 2002, S. 267)

Menschen werden also dann berufliche Interessen entwickeln, wenn sie der Überzeugung sind, dass sie die dort an sie gestellten Anforderungen erfüllen können und wenn die Ergebnisse ihrer Tätigkeit so ausfallen, dass sie ihre Arbeitswerte bestätigen.

Für die Schule bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler Erfahrungen sammeln müssen, die sie in die Lage versetzen, eine robuste Selbstwirksamkeitsüberzeugung und Ergebniserwartung in beruflichen Kontexten zu erwerben. Oder umgekehrt: Haben Schülerinnen und Schüler keine Gelegenheit, entsprechende fesselnde Lernerfahrungen zu sammeln, wird man sich nicht wundern dürfen, wenn sie keine oder eine nur rudimentäre begabungskongruente Wirksamkeitsüberzeugungen und positive Ergebniserwartungen entwickeln, mithin dem BO-Prozess zurückhaltend bis desinteressiert gegenüberstehen.

Können diese Einsichten im Schulkontext umgesetzt werden? Wir gehen mit verschiedenen Praktika, der Zusammenarbeit mit Firmen und Hochschulen und einer Forcierung von Projektarbeit – im letzten Schuljahr haben wir eine erste Projektwoche in der Sek I durchgeführt – den richtigen Weg.